Der Schlangenkönig


Um den gekrönten König der Schlangen (sorbisch/wendisch wuźowy kral) ranken sich viele Sagen. Im Spreewald gelten die Schlangen in der Regel als gute Tiere und Hausgeister, so sieht man an den Giebeln der traditionellen Blockhäuser meist ein Paar gekreuzter Schlangenköpfe.

 

Mir ist folgende Version überliefert:

 

In der Lausitz weilte ein fremder Graf aus Italien oder einem anderen der südlichen Länder. Ihm wurde zugetragen, dass es im Spreewald einen Schlangenkönig gäbe, der mit den anderen Schlangen auf der Lichtung spielen und dabei seine Krone ablegen würde. In dem Graf erwachte die Gier und er schmiedete einen Plan, dem Schlangenkönig seine Krone zu rauben. Er suchte lange nach der Lichtung, und fand eines Tages eine Wiese, auf dem Schlangen spielten. Unter ihnen befand sich ein größeres Tier, das einen hellen Streif auf dem

Rücken hatte. Das war der Schlangenkönig! Er beobachtete, wie der Schlangenkönig seine Krone auf einen hellen Fleck ablegte, um sie recht gut sehen zu können, während er sich mit den anderen

Schlangen in der Sonne tummelte.

 

 

Der Schlangenkönig und sein Häscher (© Annette Bricks)

Die List des Grafen war nun, eines schönen Sommertag zu der besagten Wiese zu reiten und dort ein weißes Tüchlein auszubreiten. Er selbst versteckte sich im Gebüsch. Als dann bald die Schlangen kamen, legte der Schlangenkönig seine Krone auf das hellweiße Tüchlein. Dann spielten sie in der Sonne. Darauf hatte gierige Graf gewartet und fasste das Tuch samt der Krone, um sich aufs Pferd zu schwingen und im Galopp davonzureiten. Sofort jagte eine riesige Schar von Schlangen hinter ihm her. Er trieb dem Pferd die Sporen in die Seiten und ritt, so schnell er nur konnte. Er übersprang einen Graben und eine hohe Mauer, worüber ihm die Schlangen nicht folgen konnten. Mit der Krone war der Graf reich und ließ sich ein Schloss bauen. Zum Dank an den Schlangenkönig nahm er eine gekrönte Schlange als Wappentier.

Quelle: http://sagengeister.de


Dies ist aber nicht die einzige Sage um den Schlangenkönig. Willibald von Schulenburg dokumentierte bereits 1882 in „Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte“:


Die Schlangen


Die Schlangen haben ihre Festtage (swědźěńe). Da versammeln sie sich in grossen Haufen wie eine Streuschwinge (słanjowa šwinda); zwischen ihnen liegt der Schlangenkönig. Auf dem Kopfe hat er so »Helles«, dass man es nicht ansehen kann, auf dem Rücken geht ein so schöner bunter glänzender Streifen (rjana pisana swětla smuga), wie man ihn nirgends in der Welt sehen kann. Legt man ihm ein weisses reines Tuch hin, so kriegt man die Krone.

 

Quelle: http://sagengeister.de


Der Schlangenstein


Im Muskauer Thiergarten hatte eine Frau die Hängewiege1 zu stehen; darin lag ihr Kind. Wie sie mal nach dem Kinde sah, lag eine Schlange oben auf dem weissen rubišćo (Leinwandtuche), über dem Kinde und hatte so ein glänzendes Steinchen (demantowy kamušk) auf das rubišćo hingelegt. Da nahm die Frau das rubišćo und schüttelte die Schlange davon ab in das Schwarzbeerenkraut (jagodowe zele), bei der Eisgrube im Thiergarten. Das erzählte sie anderen Leuten, die suchten den anderen Tag nach, haben aber die Schlange und Krone nicht mehr gefunden.

1In der Muskauer Gegend, z.B. in Schleife, ist noch die Hängewiege im Gebrauch. Diese, humpale (humpać schaukeln) besteht entweder aus drei unten zugespitzten, oben verbundenen Stäben, oder aus vier solchen, welche zu je zwei oben an einer Querstange verbunden sind. An dem Holzgestell hängt muldenartig das (Gras-) Tuch, płachta, in dem das Kind liegt. Diese Wiegen werden auf das Feld mitgenommen. Vierstäbige findet man auch in den Dörfern bei Spremberg. Ebensolche [bombawa, bombawka, von bombaś hin- und herschaukeln] waren früher im Spreewalde gebräuchlich, doch lag in dem (Gras-) Tuche trokawa noch eine hölzerne Mulde und darin das Kind.

 

Entnommen von: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882. Die Texte sind gemeinfrei.

 

Quelle: http://sagengeister.de


Wie der Teufel den Spreewald schuf


Nach alter Überlieferung ist der Spreewald mit seinen verzweiten Fließen und Kanälen entstanden, als der Teufel seine Höllenochsen vor den Pflug spannte und diese nicht recht vor oder zurück wollten. Der Teufel geriet in Wut und trieb die Tiere kreuz und quer über die Felder. Er konnte die Tiere bald wieder einfangen, jedoch war das Feld völlig zerstört. Die verbliebenen Rinnen füllten sich alsbald mit Wasser, woraus der Spreewald entstand.

Die Wissenschaftler sagen dagegen, dass der Spreewald als Teil eines Urstromtals bei Rückzug der Eismassen nach der letzten Eiszeit entstand. Es muss jeder selbst entscheiden, welcher Version man mehr Glauben schenkt!

Der Teufel mit den Höllenochsen (© Fred Pötschke)
Quelle: http://sagengeister.de


Die Lutki


Die Lutki, Leutchen oder Luttchen (sorbisch/wendisch lutki) sind ein Volk kleiner Menschen, die besonders am Schlossberg in Burg zu finden sind. Sie sind unabhängig von den großen Menschen, borgen sich Haushaltsgerät von ihnen, tun ihnen aber nichts Böses. In ihrer Sprache wird alles verneint.

 

Angeblich essen sie liebsten Brot ohne Kümmel und Honig. Sie wohnen unter der Erde und verlassen einen Ort, wenn die Bauern zu tief pflügen. Einige sagen, sie verließen die Lausitz, als dort das Christentum Einzug hielt. Der Klang der Kirchenglocken war für ihre feinen Ohren zu laut. Vielleicht gingen sie nach Böhmen,  dort gibt es heute noch Kümmelbrot.

 

Die Lutki (© Annette Bricks)

Quelle: http://sagengeister.de